Das Phantom der Ausgewogenheit

Am Mittwoch war Bundesrat Albert Rösti Gast im «Rundschau»-Talk von SRF. Medienpolitisch interessant ist, wie er dort den Ausgang der Halbierungsinitiative interpretierte. Zudem hat er einen Plan, wie er die neue Konzession der SRG «schärfen» will. Aus Sicht des Bundesrats soll dabei unter anderem das Online-Angebot eingeschränkt werden – also just dort, wo sich die bis 55-Jährigen heute mehrheitlich informieren.

Weiter betonte Rösti mehrfach, die «Ausgewogenheit» müsse gewährleistet sein. Er sagte, dieser Begriff sei in der Konzession festgehalten. Das ist nachweislich falsch. Weder in der Konzession noch im Radio- und Fernsehgesetz – und schon gar nicht in der Bundesverfassung – ist von Ausgewogenheit die Rede. Sie ist ein Phantom.

Der Begriff klingt zwar gut – gerade in Schweizer Ohren. Doch Vorsicht: Es droht die sogenannte false balance. Ein Beispiel:

Angenommen, Radio SRF produziert eine Sendung zu Ehren des italienischen Astrophysikers und Universalgelehrten Galileo Galilei. Dieser hat im 17. Jahrhundert mit anderen nachgewiesen, dass sich die Erde und die übrigen Planeten um die Sonne drehen.

Es gibt Menschen, die noch heute das Gegenteil behaupten. Stünde die «Ausgewogenheit» tatsächlich in der SRG-Konzession, müssten sie in diesem Beitrag ebenfalls zu Wort kommen.

Mit Verlaub, aber das kann es nicht sein.

Der Ruf nach Ausgewogenheit und die Kritik, die SRG habe einen «Linksdrall», wurden vom rechtsbürgerlichen Hofer-Club während des Kalten Krieges in ein politisches Narrativ gegossen. Was nicht der eigenen Meinung entspricht, gilt seither als «linkslastig». Dabei wird ausgeblendet, dass es zum journalistischen Auftrag gehört, mit professioneller Distanz kritische Fragen zu stellen. Dieselben Kreise popularisierten den Ausruf «Moskau einfach!».

Im Kontext von Wahlen und Abstimmungen muss Ausgewogenheit hingegen tatsächlich gewährleistet sein – und das ist sie auch. Beispielhaft zeigen das Abstimmungs-«Arenas», in denen die Redezeit beider Lager gestoppt und während der Sendung ausgeglichen wird.

Der Begriff Ausgewogenheit wird in medienpolitischen Debatten immer wieder ins Feld geführt – während des Abstimmungskampfs über die Halbierungsinitiative sogar inflationär. Das hat System, so meine Hypothese: Viele plappern den Begriff unreflektiert nach.

Lamentabel ist, dass etliche Journalistinnen, Politiker und Medienmanager offenbar nicht wissen, was in der Konzession tatsächlich steht. Dort heisst es: «Die SRG sorgt in ihren Informationsangeboten für eine umfassende, vielfältige und sachgerechte Berichterstattung.»

Wohin es führt, wenn Regierungen Medien gängeln, zensurieren oder gar steuern, zeigt die Entwicklung in Ungarn oder Russland. Dort wurde die Demokratie zunehmend geschwächt, ja ausgehebelt. Diese Entwicklung ist gefährlich und verpflichtet uns in der Schweiz, wachsam zu bleiben.

Bei der neuen Konzession geht es um viel mehr geht als nur neue Paragraphen. Der SRG Daumenschrauben anzusetzen, wäre falsch. Es reicht völlig, dass sie – wie vom Bundesrat verordnet – trotz Medienkrise ihr Budget bis 2029 um satte 17 Prozent kürzen muss.

 

 

Fazit:
Es ist sinnvoll, wenn die Allianz Pro Medienvielfalt weiterhin wachsam bleibt – und den Prozess zur neuen Konzession bis Ende 2027 aufmerksam begleitet. Ob sie das will, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Die Links:
– Der Talk in der «Rundschau» von SRF ist hier greifbar.
– Die Konzession der SRG gibt’s hier als PDF.

P.S. 
Wer mit einem Radio- oder Fernsehbeitrag des öffentlichen Rundfunks nicht zufrieden ist, hat die Möglichkeit, bei der SRG-Ombudsstelle eine Beschwerde einzureichen. Kann diese nicht geklärt werden, geht es weiter zur Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI), die sich mit diesem Fall befassen muss. Der Beschwerdeweg ist offen bis zum Bundesgericht.

Foto: Printscreen SRF-«Rundschau» vom 18. März 2026

«Ich lebe für diese Aufgabe»

Vorsicht: Das ist ein Posting in eigener Sache.

Der Grund: Als Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt bekämpfe ich seit mehr als vier Jahren die SRG-Halbierungsinitiative. Das nahm die Redaktion von «Bund»/BZ zum Anlass, mich zu porträtieren.

Das bringt ich dazu, ein Schlaglicht auf vier prägende Kapitel meines Lebens zu werfen. Alle passen letztlich zu einem Titel: «Medien und Demokratie».

🔵 Unmittelbar nach dem Bürgerkrieg in Bosnien baute ich dort eine Radiostation auf. Eine Stiftung aus Österreich finanzierte die Startphase, ich war verantwortlich für Programm und Personal.

Journalistinnen und Journalisten der drei ethnischen Gruppen, die sich zuvor vier Jahre lang bekämpft hatten, formten ein Team. Das klappte – dank einer langen Aussprache in der zweiten Woche.

Der Friedensvertrag von Dayton war zwar unterzeichnet, praktisch alle Medien blieben aber abhängig von den ehemaligen Kriegsparteien.

➡️ Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe: Unabhängige Medien fallen nicht vom Himmel.

🔵 Als Ende 2008 die Tamedia-Konzernspitze die Traditionszeitung «Der Bund» mit der «Berner Zeitung» fusionieren wollte, schrie tout Bern auf. «Drrrr Bund» war eine Institution, eine gute Zeitung mit prägenden Köpfen, aber wirtschaftlich in Schieflage geraten. (Ich kriegte sie 1994 erstmals in meinen Händen – in Zürich.)

Ich orchestrierte den Widerstand gegen die Fusion – ein halbes Jahr und rund 1200 Stunden Fronarbeit später, die meine damals dreiköpfige Firma geleistet hatte, war sie vom Tisch. (Die Website «Rettet den Bund» ist noch heute im Netz.)

➡️ Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe: Hör auf dein Bauchgefühl – und tue, was du für richtig hältst.

🔵 Als 2017 ein paar junge Libertäre ihre Bieridee namens «No Billag» vors Volk brachten, wurde ich mandatiert, dagegenzuhalten. Der Abstimmungskampf war für uns im Komitee «Nein zum Sendeschluss» episch lang, sorgte aber zuweilen für einen Kick.

Am 6. März 2018 war das Verdikt klar: 71.6 Prozent der Stimmberechtigten sagten Nein, die jüngste Altersgruppe – diejenige, die angeblich nie SRG konsumiert –, erreichte sogar 75 Prozent.

An jenem Abend liess ich mir ein Schaumbad ein, war mir aber schon damals bewusst: Der nächste Angriff kommt bestimmt.

Und er kam.

🔵 Am 8. März 2026 kommt die Halbierungsinitiative zur Abstimmung. Faktisch handelt es sich um die perfide Schwester von «No Billag», aber das haben viele Menschen bis heute nicht durchschaut.

Seit mehr als vier Jahren treibt mich diese Halbierungsinitiative um – und zuweilen raubt sie mir den Schlaf.

➡️ Was ich aus «No Billag» und dem Kampf gegen die SRG-Halbierungsinitiative mitnehme: Wenn es drauf ankommt, steht die Zivilgesellschaft auf. Es ist beeindruckend, was sie in den letzten Monaten getan hat.

Das Porträt gibt es hier als PDF zum Herunterladen:
Der Frontmann gegen die Halbierungsinitiative («Bund», 23. Februar 2026, PDF)

🔗 Die Links zu diesem Artikel auf den beiden Online-Portalen:
Beim «Bund»
Bei der «Berner Zeitung»

Mein Dank geht an Brigitte Walser für den kritischen, aber fairen Artikel und an Franziska Rothenbühler für die Fotos.

Mumpitz von Matter


Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter ist der geistige Vater der SRG-Halbierungsinitiative. Im Interview mit Tamedia platziert er eine ganze Reihe faktenwidrige Aussagen.

Das bedarf einer Richtigstellung:

Matter sagt: «Junge konsumieren praktisch keine SRG-Formate.»
✅ Richtig ist: 53 Prozent der Jungen zwischen 15 und 34 konsumieren SRG-Inhalte. Pro-Tipp: Sie tun es vor allem auf Instagram und Youtube.
(Quelle: Studie IGEM-Digimonitor 2023)

Matter sagt: «Der Initiativtext verbietet der SRG nicht generell Onlineaktivitäten.»
✅ Richtig ist: Der Initiativtext hält fest, dass die Abgabe der «Finanzierung von Radio- und Fernsehprogrammen» dient. Das bedeutet: Bei einem Ja dürfte die SRG keinen Online-Journalismus mehr betreiben.
(Quelle: Website srg-initiative.ch)

Der Bundesrat hat auf dem Verordnungsweg beschlossen, dass das SRG-Budget bis 2029 massiv sinkt. Die SRG-Spitze rechnet mit 270 Millionen Franken weniger.
Matter sagt, dass aufgrund der Zuwanderung und dem Zuwachs von 40’000 Haushalten pro Jahr die SRG «nicht viel sparen» müsse.
✅ Richtig ist: Der Gebührenanteil der SRG ist per 2029 auf eine Summe fixiert, egal wie sich die Zahl der Haushalte entwickelt.
(Quelle: Botschaft des Bundesrats zur SRG-Halbierungsinitiative)

Matter sagt: «Ich höre von der SRG Drohungen, dass Regionalbüros geschlossen würden.»
✅ Richtig ist: Diese Aussage machte auch Medienminister Albert Rösti, Matters Parteikollege. Er sagte, dass bei einem Ja zur Halbierungsinitiative «wohl nur noch ein Produktionsstandort übrigbleibt: Zürich.»
(Quelle: Medienkonferenz Bundesrat Rösti, 21. Januar 2026, auf dem Youtube-Kanal des Bundesrats abrufbar)

Matter sagt: «Die SRG-Direktorin verdient mehr als ein Bundesrat.»
✅ Richtig ist: Isoliert betrachtet beträgt die Lohndifferenz zwischen Susanne Wille und den Bundesratsmitgliedern 2 Prozent. Aber Bundesrätinnen und Bundesräte erhalten nach ihrem Rücktritt ein Ruhegehalt von rund 50 Prozent des früheren Lohnes. Bei Wille ist das nicht der Fall. Der Vergleich hinkt.

Zum Vergleich: Die CEO von SBB und Post verdienten 2024 rund 50 Prozent mehr als die Person an der Spitze der SRG, die CEO der Stromkonzerne Axpo und BKW sogar dreimal so viel wie sie (inkl. Boni). Die Stromkonzerne gehören übrigens den Kantonen, also uns.
(Quellen: Website admin.ch, Geschäftsberichte der erwähnten Unternehmen)

Fazit: Matter liefert viel Mumpitz, pardon l’expression. Das strapazierte Wort «Fake News» wollte ich nicht schon wieder bemühen. Das Interview wird keinen Medienpreis ergattern.

Disclaimer:
Ich bin seit 2008 Dozent an einer Journalistenschule und seit 2022 Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt, die sich gegen die SRG-Halbierungsinitiative stellt. Zu Ihr gehören inzwischen 6500 Einzelpersonen und 35 Organisationen.

📸 Yoshiko Kusano

Was die SRG-Halbierungsinitiative ausblendet – ein offener Brief an den jf-Präsidenten

OFFENER BRIEF AN DEN PRÄSIDENTEN DER JUNGFREISINNIGEN

Lieber Jonas Lüthy

Sie sind einer der Wortführer des Initiativkomitees, welches die Halbierung des SRG-Budgets verlangt. So konnten Sie unlängst einen Gastartikel bei CH Media platzieren. Vom Toggenburg bis nach Liestal war ihr Text in 18 Regionalzeitungen und 18 Online-Portalen zu lesen. So viel zur vielfältigen und intakten Medienlandschaft.

🖍️ Obwohl Sie die Allianz Pro Medienvielfalt erwähnen, verzichtet die Zentralredaktion auf unsere Replik. Ich nehme das sportlich und bringe stattdessen diesen offenen Brief.

Ihre Kampfbegriffe lassen mich kalt. Bemerkenswert finde ich, was Sie alles ausblenden:

🔵 Seit 2015 sind die Gebühren für Privathaushalte um 25 Prozent gesunken. Zurzeit kostet das 28 Franken pro Monat – also weniger als ein Kinobesuch zu zweit. Was hingegen stetig steigt, sind Krankenkassenprämien und Mieten. Vielleicht ist es mir entgangen, aber: Wann haben die Jungfreisinnigen sich in den Bereichen, die uns tatsächlich belasten, für eine Dämpfung eingesetzt?

🔵 Das Gegenprojekt des Bundesrats zwingt die SRG, ihr Budget in den nächsten drei Jahren um 17 Prozent zu reduzieren. Das geht ans Eingemachte. Auch in der Privatwirtschaft wäre dies enorm herausfordernd. Dass die Menschen in unserem Land auf eine Ausdünnung des Rundfunk-Angebots ungehalten reagieren, haben Sie als Basler sicher bemerkt.

🔵 Die Debatte um die Halbierungsinitiative dreht sich hauptsächlich um das Fernsehen. Dabei erreicht beispielsweise Radio SRF ein grosses Publikum – und mit vielen Sendungen Tiefe und Originalität. Ich lege Ihnen «International», die Talkshow «Persönlich», «Input» und «SRF3 Best Talent» ans Herz. Das ist Service public, der nicht von Algorithmen und Werbekunden gesteuert wird.

🔵 Ihre Initiative verlangt einen Fokus auf «Radio- und Fernsehprogramme». Das bedeutet: Bei einem Ja wäre der SRG Online-Journalismus untersagt. Tatsache ist, dass Menschen bis 55 Medien hauptsächlich digital konsumieren. Diese Entwicklung geht rasant weiter.

🔵 Was sich daraus ableitet: Ein Rundfunk ohne überzeugendes Angebot im Netz hat in ein paar Jahren kein Publikum mehr. Ich gehe davon aus, dass Ihnen bewusst ist, was Ihre Volksinitiative fordert.

🔵 Dass die privaten Medien in der tiefsten Krise ihrer Geschichte stecken, erwähnen Sie mit keinem Satz. Dabei fliessen mehr als zwei Milliarden Franken an Werbegeldern jedes Jahr zu ausländischen Tech-Plattformen ab. Die Konsequenzen: Beispielsweise hat Radio 1 von Roger Schawinski seine Redaktion aufgelöst, mehrere UKW-Sender stellte er stillschweigend ab.

❗️Das sind Fakten, Herr Lüthy! Und trotzdem wollen Sie die SRG bis auf ihren Rumpf stutzen. Sie behaupten sogar, mit der Hälfte lasse sich «in allen vier Sprachregionen ohne Weiteres ein hochwertiges Programm» realisieren. Wer sich einmal auch nur oberflächlich mit Medienökonomie und dem Verfassungsauftrag der SRG auseinandergesetzt hat, kommt zu einem anderen Schluss.

Ihre Aussage ist fahrlässig.

🎙️ Ich hoffe, wir haben bald Gelegenheit zu einem Streitgespräch – auf einem Podium oder in einer Redaktion. Challenge accepted. Mit vielen Ihrer Mitstreiter wäre das dröge, weil sie papageienartig stets dieselben Sätze wiederholen.

Freundlich grüsst
Mark Balsiger,
Geschäftsführer Allianz Pro Medienvielfalt

Fotos: Website Jonas Lüthy/zvg

Die Gratisfalle

Die Medienmanager der TX Group haben noch nie lange gefackelt – deshalb überrascht das Aus der gedruckten Ausgabe von «20 Minuten» nicht. Dass 80 Vollzeitstellen in Redaktion und Verlag abgebaut werden, ist eine traurige Nachricht. Dass die Aussenredaktionen in Basel, Genf, Luzern und St. Gallen geschlossen werden, lässt die regionalen Wurzeln verkümmern.

In diesem Beitrag will ich die Auswirkungen, welche die Pendlerzeitungen auf den Medienkonsum haben, nachzeichnen.

Die Gratiskultur hielt in der Schweiz 1999 Einzug: In Verteilboxen an Bahnhöfen und Bushaltestellen lagen Zeitungen im Tabloidformat bereit – kostenlos. Ihre Namen: «Metropol» (2000–2002, Metro International, ein Verlag aus Schweden), «20 Minuten» (seit 1999, zunächst Schibsted aus Norwegen, danach Tamedia, die heutige TX Group), «Le Matin bleu» (2005–2009, Edipresse), «heute» (2006–2008, Ringier), «Blick am Abend» (2008–2018, Ringier), «.ch» (2007–2009, Sacha Wigdorovits) und «News» (2007–2009, Tamedia).

Während Jahren war ein veritabler Zeitungskrieg im Gang – entfacht durch Verlagshäuser, die sich im Gratismarkt etablieren und andere mit aggressiven Methoden verdrängen wollten. Dabei ging es nicht um journalistische Vielfalt, sondern Marktanteile und Margen. Statt in die Redaktionen ihrer Bezahlzeitungen zu investieren, verbrannten die Verlage x Millionen in einem aussichtslosen Kampf. Auf die Dauer hatte nur «20 Minuten» Erfolg.

Die Werbewirtschaft drängte mit ihren Inseraten in diesen Titel, der zeitweise eine Auflage von gegen einer Million Exemplare und über zwei Millionen Leserinnen und Leser hatte. Der kommerzielle Erfolg war gigantisch: In den besten Jahren erwirtschaftete das Pendlerblatt jährlich 40 Millionen Franken Gewinn – eine Cashcow, wie es sie im Medienbereich weltweit kaum je gab. Medienmanager und Aktionäre rieben sich die Hände.

Dumm nur, dass die Pendlerzeitungen die Bezahlzeitungen aus denselben Verlagshäusern kannibalisierten. Mitverantwortlich für diese Fehlentwicklung waren auch die Online-Portale, die ihre Inhalte jahrelang kostenlos zur Verfügung stellten.

Mit der Gratiskultur tappten die Verlagshäuser in eine Falle, aus der sie nicht mehr herauskommen. Journalistisch aufbereitete Information darf nicht gratis sein, weil sie auf Handwerk und hohen Produktionskosten basiert. Die Bäckerin verschenkt ihre Gipfeli auch nicht, nur weil sie darauf spekuliert, dass die Kundschaft deshalb vielleicht ein Sandwich kauft.

Nachdem die Medienmanager ihren Denkfehler erkannt hatten, versuchten sie ab 2012, die Gratiskultur mit neuen Geschäftsmodellen rückgängig zu machen. Ein Blick in die Zahlen zeigt ein ernüchterndes Bild: Die Zahl der Digitalabos stagniert bei den meisten Titeln. Die Generation der heute etwa 40-Jährigen wurde viel zu lange daran gewöhnt, dass Inhalte – ob gedruckt oder online – nichts kosten. Laut dem neuen «Digital News Report» sind aktuell 22 Prozent der Befragten bereit, für Online-Inhalte zu bezahlen.

Foto: «20 Minuten»/Simon Glauser 

Dieses Sparprogramm ist erst ein Vorgeschmack

Gut gemachter Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalismus erreicht die Massen nicht, ist aber wichtig. Mit dem nächsten Sparprogramm, das Schweizer Radio und Fernsehen SRF gestern bekannt machte, wird das Angebot in diesen beiden Bereichen ausgedünnt. So fällt etwa die profilierte Wirtschaftssendung «Trend» (Radio SRF 1) genauso weg wie das «Wissenschaftsmagazin» (Radio SRF 2).

Das ist bitter. Der Aufschrei ist gross, wie jedes Mal, wenn das öffentliche Medienhaus ankündigt, sein Angebot reduzieren zu müssen.

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch: Der Druck der Halbierungsinitiative wirkt. Die Politik gibt ihn weiter an die SRG. Seit drei Jahren dreht sich die Diskussion vor allem über Preisschilder – 335 Franken? 300 Franken? 200 Franken? Tatsache ist, dass die Haushaltgebühren in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent gesunken sind.

Es braucht endlich eine Debatte über den medialen Service public und was er in Zeiten von Desinformation und Fake-News leisten sollte.

Die privaten Medien in der Schweiz stecken in der tiefsten Krise ihres Daseins. Inzwischen fliessen jedes Jahr 2 Milliarden Franken an Werbegeld zu Tech-Plattformen wie Google, Facebook und Instagram. Diese 2 Milliarden fehlen, mit teureren Abos ist der Ausfall nichtannährend zu kompensieren.

Doch zurück zu den Sparprogrammen bei SRF. Sie geben uns einen kleinen Vorgeschmack, was passieren wird, wenn die Halbierungsinitiative durchkommt. Das Rumpfprogramm in vier Landessprachen würde nicht mehr viele Menschen in der Schweiz erreichen. Was ein paar Jahre später folgen würde, ist klar: der Sendeschluss.

Aus diesem Grund sind wir schon seit drei Jahren daran, mit der Allianz Pro Medienvielfalt ein Bollwerk gegen die Halbierungsinitiative aufzubauen. 3700 Einzelpersonen und 18 Organisationen sind bereits an Bord – vom Schweizer Fussballverband über Travail.Suisse und die IG Volkskultur bis zu mehreren Filmverbänden.

Auf der Website der Allianz Pro Medienvielfalt kann man sich eintragen und so Teil der Community werden.

Foto: 20Minuten/Matthias Spicher

Der Siegeszug der Tech-Milliardäre

Kein anderer Mensch auf diesem Planeten wird mehr gehasst als Donald Trump. Trotzdem wurde er gestern zum neuen US-Präsidenten gewählt. Sprüche wie «Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selbst», greifen zu kurz. Gesichert ist allerdings, dass es in den USA einerseits  sogenannte «News-Wüsten» gibt und viele Menschen sich andererseits nicht mehr bei etablierten Medien, die einen Anspruch auf Ausgewogenheit haben, informieren.

Es ist ein Wahlsieg mit Ansage: Kamala Harris war dreieinhalb Jahre lang eine farblose Vizepräsidentin, dreieinhalb Monate lang war sie eine überzeugende Wahlkämpferin. Das reicht nicht.

Für zahllose Amerikanerinnen und Amerikaner ist die eigene ökonomische Situation entscheidend, wem sie die Stimme geben. Die Wahlforschung nennt das Rational Choice. In den letzten Jahren war die Inflation hoch, Lebensmittel und Benzin wurden markant teurer. Dafür machen sie die Administration Biden verantwortlich. Im Vergleich dazu waren für sie die Trump-Jahre (2017 bis 2020) besser – und damals gab es keinen Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten.

Trump ist befähigt, jeden Tag aus einer Laune heraus Fehlentscheidungen zu treffen, unflätig zu sein, Minderheiten an den Pranger zu stellen, und Leute, die ihm nicht gewogen sind, zu verfolgen. Wir haben vier Jahre lang Halloween vor uns.

Ähnlich gefährlich ist, wie sich das Mediensystem verändern wird. Dass Bots und Troll-Fabriken bei Wahlen systematisch mitmischen, haben wir die letzten acht Jahre mitbekommen. Dass Tech-Plattformen wie Facebook & Co. zu Hass-Schleudern wurden, wissen wir. Doch das war erst der Anfang.

In den letzten Monaten spendete X-Chef Elon Musk 119 Millionen Dollar an die Trump-Kampagne. Musk ist nicht nur ein durchgeknalltes Genie, er will für seinen monetären Einsatz ein Payback, und er wird es kriegen.

Trump hält die nächsten zwei Jahre in beiden Kammern die Mehrheit, Gesetze kann er so zügig durchbringen. Er will die Unternehmenssteuern senken, den US-Markt mit hohen Zöllen schützen und der Binnenwirtschaft alle Freiheiten geben. Das kommt den libertären Tech-Milliardären entgegen. Sie haben eine Agenda, um noch mehr Geld zu verdienen und ihre Überzeugungen ins breite Publikum zu träufeln.

Tech-Konzerne sollte man endlich als Medien einstufen, dann müssten sie sich an dieselben Regeln halten und beispielsweise die Inhalte nach redaktionellen Kriterien filtern.

Einer dieser Tech-Milliardäre ist Peter Thiel, der seine Anfänge bei PayPal machte und als libertärer Politaktivist auffällt. JD Vance, der neue Vizepräsident, kommt aus seinem Dunstkreis. Sie wollen die Gesellschaft in ihrem Sinne beeinflussen.

Vance ist im Gegensatz zu Trump kein Egomane, sondern ein kluger Kopf. Es ist aufgelegt, dass er Trump dereinst beerben wird. Mit der Macht der Tech-Plattformen geht das einfacher, weil diese erdrückend ist. Übrigens weltweit. Die Tech-Plattformen entziehen dem Journalismus immer mehr Geld und bringen ihn mit ihrer Form der «Information» noch mehr unter Druck.

In der Schweiz geben inzwischen 46 Prozent der Bevölkerung an, newsdepriviert zu sein, d.h. sie haben sich weitgehend vom politischen und gesellschaftlichen Diskurs abgekoppelt. Aber: Sie konsumieren weiterhin Social Media. Da kommen üble Zeiten mit noch mehr Fake-News und systematischer Desinformation auf uns zu. Dabei bleiben, Leute! Dagegenhalten! Und glaubwürdige etablierte Medien abonnieren!

Nemo ist nicht Bundesrätin Keller-Sutter

Seit Monaten hat sich ein Mob auf Nemo eingeschossen. Aus dem Nichts kommt das nicht. Dennoch sollten Medien und PR-Leute verantwortungsvoller mit dem Star aus Biel umgehen. Der Abbruch eines Interviews mit ihm schadet letztlich allen.  

Direkt nach dem Auftritt am Lakelive Festival sprach Nemo mit dem «Bieler Tagblatt». Als die Journalistin eine Frage zum «politisch aufgeladenen ESC» in Malmö stellte, intervenierte die Presseverantwortliche des Stars. Schliesslich brach Nemo das Gespräch ab, weil «sich jede Frage wie eine Provokation anfühlt». Am Samstag wurde das Rumpf-Interview publiziert und schlägt seither Wellen. (Es ist hier als PDF verlinkt.)

Natürlich, es gehört zum Job der Journalistinnen und Journalisten, Fragen zu stellen. Natürlich, Interviews sollen kritisch sein. Tatsache ist, dass sie es in den Bereichen Sport, Kultur und Showbusiness oftmals nicht sind, weil den Medienschaffenden die Distanz fehlt oder sie sogar Fans sind. Selbst Roger Schawinski, der härteste Talker der Nation, stellte keine harten Fragen mehr, als er Emil zu Gast in seiner Sendung hatte.

Politikerinnen, Wirtschaftsführer und Sängerinnen wollen alle dasselbe: in den Medien gut herüberkommen. Vor, während und nach Interviews tun sie und ihre Entouragen alles, um dieses Ziel zu erreichen. Sie wollen die Bedingungen diktieren, Redaktionen lassen sich nicht selten darauf ein, weil sie Prominenz und Exklusivität hoch gewichten. Das Resultat sind glattgebügelte Interviews, die uns beim Lesen langweilen.

Ich habe früher oft über Musik geschrieben und viele Interviews geführt, etwa mit Marla Glen, Kuno Lauener, 4 Non Blondes oder Gianna Nannini. Das war manchmal beglückend und manchmal zäh. Und manchmal sagten die Stars Dinge, die sie in die Bredouille gebracht hätten. Ich liess allzu Provokatives oder Unreflektiertes stets weg – zuweilen müssen Künstlerinnen und Künstler vor sich selbst geschützt werden.

Der Fall von Nemo ist anders gelagert: Das Talent aus Biel wird seit Monaten im grossen Stil mit Bösartigkeiten und Hass eingedeckt: Zum einen, weil es nicht-binär ist und ein drittes Geschlecht propagiert, zum anderen, weil es beim ESC den Boykottaufruf gegen Israel mitgetragen haben soll.

Nemo zu den Vorgängen in Malmö keine kritischen Fragen zu stellen, wäre unjournalistisch, natürlich, aber die Medien haben auch eine Verantwortung, nicht unnötig Öl ins Feuer zu giessen. Was im «Bieler Tagblatt» seinen Anfang nahm, hat den Mob sofort mobilisiert.

Keine überzeugende Rolle spielte Nemos Management: Zunächst legte es schriftlich fest, dass die Journalistin auf politische Fragen verzichten solle, rückte aber später wieder davon ab. Zudem verzichtete es darauf, das Interview zurückzuziehen.

Was wir nicht vergessen sollten: Nemo ist gerade einmal 25 Jahre alt und erst seit dem letzten Mai auf der Weltbühne. Im eigenen Lager ist Nemo eine Ikone, für andere eine Hassfigur, allein der Name triggert enorm. Das legt nahe, einen anderen Massstab anzuwenden, als beispielsweise bei Karin Keller-Sutter, die seit 24 Jahren Berufspolitikerin ist.

Foto: Benjamin Ramsauer, SRF

Dieser Beitrag ist zuerst bei «Persönlich», dem Portal der Kommunikationsbranche, erschienen. 

Die Gretchenfrage lautet: Was ist uns Journalismus wert?

Die Libertären wetzen ihre Messer schon lange. Sie wollen mit ihrer Halbierungsinitiative die verhasste SRG ausbluten lassen. Gestern haben sie einen Teilerfolg errungen (hier solid zusammengefasst). Der Bundesrat senkt die Medienabgabe schon wieder, zudem werden neu 80 statt wie bisher 75 Prozent aller Firmen von der Serafe-Gebühr befreit.

Ein Privathaushalt bezahlt künftig noch 300 statt 335 Franken pro Jahr. Pro Monat bleiben also 3 Franken mehr im Portemonnaie. Mit Verlaub, das als Entlastung anzupreisen, ist eine Lachnummer!

Über die Halbierungsinitiative, welche die Gebühren auf 200 Franken reduzieren will, stimmen wir voraussichtlich im Jahr 2026 ab. Im Parlament regen sich aber bereits mehrere Figuren, die ihr eigenes Süppchen kochen wollen, konkret: Es wird Gegenvorschläge geben.

335 Franken, 300 Franken, 200 Franken, 280 Franken – es geht schon seit Monaten fast ausschliesslich nur um Preisschilder. Das ist erbärmlich. Es bräuchte eine Debatte über den medialen Service public. Es geht um Fragen wie: Was ist uns Journalismus wert?

Für eine solche Debatte bräuchte es Basiswissen. Ich liefere fünf Punkte:

– Die privaten Medien in der Schweiz haben ein massives Finanzierungsproblem. Inzwischen fliessen jedes Jahr 2 Milliarden Franken an Werbegeld zu den Tech-Giganten wie Google und Meta (Facebook, Instagram). Die Konsequenzen: Abbau, Ausdünnung des Angebots, Verflachung.

– In den letzten 20 Jahren sind in der Schweiz rund 70 Medientitel verschwunden. Das führt zu einer Verarmung. Natürlich gab es in derselben Zeitspanne auch Neugründungen, doch von ihnen schafften bislang kein halbes Dutzend den «Break Even», also eine ausgeglichene Rechnung. Die Erkenntnis: Journalismus ist kein Geschäftsmodell mehr. Es braucht ein starkes Medienhaus, das gebührenfinanziert ein breites Angebot liefert, und zwar überall dort, wo die Menschen sind, also auch online und auf Social Media.

– Ein Privathaushalt gibt laut Bundesamt für Statistik im Durchschnitt jährlich 3168 Franken aus für Medien. Darunter fallen Zeitungen, Bücher, Streaming-Dienste wie Spotify, usw. Die Medienabgabe beträgt 335 Franken. Mit anderen Worten: Die Serafe-Gebühren machen nicht einmal 12 Prozent der Gesamtausgaben für Medien aus.

– Die SRG ist die grösste Kulturproduzentin im Land. Im Jahr 2023 unterstützte sie rund 190 Film- und Serienprojekte, wie zum Beispiel «Davos 1917». Viele von ihnen hätten sonst nicht realisiert werden können. Kultur sorgt für Reibung, Emotionen, Wissen, Verständnis für andere, Zusammenhalt. Sie hat einen unschätzbaren Wert.

Die allermeisten Produktionen rechnen sich nicht. Private Medien hingegen realisieren nur, was sich rechnet, sonst könnten sie nicht überleben.

– Seit nunmehr 20 Jahren wächst bei den Medienhäusern der Online-Bereich stetig. Die Transformation ist in vollem Gang. Die BBC, die von Grossbritannien aus weltweit journalistische Standards setzt, baut sich so um, dass ab 2030 die allermeisten Angebote nicht mehr linear, sondern nur noch on demand, vorab mit Apps, ausgespielt werden.

Medien, die die Transformation nicht schaffen und ihre Angebot nicht attraktiv im Netz präsentieren, sind in ein paar Jahren tot. Das gilt auch für die SRG. Schon jetzt sind dem öffentlichen Medienhaus enge Grenzen gesetzt, wenn es um die Präsenz im Netz geht. Beiträge ohne Bezug zu Radio- oder Fernsehsendungen dürfen beispielsweise nicht länger als 1000 Zeichen sein. Das entspricht zwei kurzen Abschnitten.

Jede weitere Einschränkung schwächt die SRG. Dass sich die privaten Medien ohne Konkurrenz der SRG im Netz besser entwickeln würden, ist eine Behauptung. Erhebungen in anderen Ländern zeigen, dass die privaten Medien von einem starken gebührenfinanzierten Anbieter profitieren. Die «böses Feinde» sind die Streamingdienste, die die Leute im grossen Stil an sich binden, und die Tech-Giganten im Silicon Valley, denen das Werbegeld zufliesst.

Wenn dich diese Argumente überzeugen, ist das der richtige Zeitpunkt, um jetzt Teil der Allianz Pro Medienvielfalt zu werden. Die Community wächst – hier lang:

Es ist kurzsichtig, der SRG die Mittel weiter zu kürzen


Der Bundesrat verordnete gestern, dass die Empfangsgebühren für Radio und Fernsehen von 335 auf 300 Franken pro Haushalt sinken. Es handelt sich um die dritte Reduktion seit 2017. Albert Rösti & Co. versuchen damit, der Halbierungsinitiative der SVP den Wind aus den Segeln zu nehmen (diese fordert 200 Franken).

Ich halte diese Entscheidung für falsch und mutlos.

Wenn etwas geändert werden soll, wird üblicherweise zuerst abgeklärt, was es in Zukunft braucht. Erst dann fragt man nach dem Preis. Ich gehe auch nicht in den Supermarkt und frage an der Kasse, was ich für 50 Franken kriege. Vielmehr überlege ich mir, was ich an Vitaminen, Kohlenhydraten und Proteinen brauche, um mich gesund zu ernähren. Also fülle ich meinen Korb entsprechend und bezahle an der Kasse, was die Lebensmittel kosten.

Gesunde Ernährung ist auf die Dauer wichtig, sonst gibt es Mangelerscheinungen. Genauso ist es beim Medienkonsum. Ohne unabhängige Information, einen breiten Service public, Unterhaltung und Live-Sport, verkümmert etwas. Junk macht krank.

Die Reduktion für private Haushaltungen und das Wegfallen der Unternehmensabgabe für weitere 60’000 Firmen hat einschneidende Auswirkungen. Nach 2018/2019 kommt es zu einem weiteren Leistungsabbau. Würde man ihn ausschliesslich aufs Personal abwälzen, müssten grob berechnet 850 Stellen weg.

Das wird nicht passieren. Aber das Angebot wird spürbar reduziert. So wie die Menschen in unserem Land funktionieren, werden sie unzufrieden sein, wenn die Sparübungen dereinst umgesetzt sind.

Was der Bundesrat verordnet, ist der falsche Weg. Aus drei Gründen:

👉
Die Kaufkraft für einen privaten Haushalt steigt wegen einer Differenz von 35 Franken pro Jahr kaum merklich.
👉 Die libertäre Truppe um Nationalrat Thomas Matter (SVP) wird ihre Halbierungsinitiative nicht zurückziehen, sondern weiterhin Lärm machen und Desinformation betreiben.

👉 Ein Gegenvorschlag aus dem Parlament ist damit nicht vom Tisch, im Gegenteil: Einzelne Figuren werden versuchen, die Unternehmen noch weiter zu entlasten. Zur Klärung: Schon jetzt sind rund 75 Prozent aller Firmen von der Serafe-Abgabe befreit.

Dass Firmen ab einer gewissen Umsatzgrenze etwas bezahlen müssen, finde ich richtig. Ein Beispiel: Eine Autogarage mit 4 Millionen Franken Umsatz bezahlt zurzeit 900 Franken pro Jahr. Von morgens bis abends läuft bei ihr das Radio – im Büro und in der Werkstatt. Das darf etwas kosten.

Journalismus ist kein Geschäftsmodell mehr, den privaten Medien in der Schweiz geht das Geld aus. Inzwischen fliessen jedes Jahr 2 Milliarden Franken an Werbegeld zu den Tech-Giganten, also zu Amazon, Google und Meta (Facebook & Co.). Die Konsequenzen: Abbau, Abbau und nochmals Abbau. Vor wenigen Wochen hat der Medienkonzern TX Group (Tamedia) die nächste Sparrunde angekündigt. CH-Media wiederum gab gestern bekannt, 150 Stellen abzubauen.

Angesichts dieser Entwicklungen ist es kurzsichtig, dem öffentlichen Medienhaus noch mehr Mittel zu entziehen. Vergesst das mit den gleich langen Spiessen – sie sind zerbrochen! Die SRG ist nicht schuld daran, dass Werbegeld mehr und mehr im Ausland investiert wird. Wenn sie weiter geschwächt wird, geht es den privaten Medien nicht besser – im Gegenteil: Die Spirale dreht weiter abwärts.

Ich bin besorgt – du auch? Sich bei der Allianz Pro Medienvielfalt einzutragen, ist der nächste Schritt. 2500 Einzelpersonen haben das schon getan. Wir müssen wachsen. Hier lang.

 

 

Ergänzend: Ein unaufgeregter Text aus dem «Journal 21» zeigt auf, weshalb ein unabhängiger öffentlicher Rundfunk so wichtig ist.

 

 

Foto: Radio SRF