Von Politikern und Würsten

Mittwochabend, kurz vor 23 Uhr. Der IC von Zürich rollt in Bern ein. Er ist gut besetzt. Dutzende von nationalen Parlamentarierinnen und Parlamentarier sind auszumachen, zufälligerweise nahmen viele denselben Zug zurück in die Bundesstadt: Grüne, SVP’ler und Grünliberale. Sie waren auf ihren Fraktionsausflügen, die traditionell während der Sommersession stattfinden. In der Regel werden am Nachmittag Firmen oder Institutionen besucht, gefolgt von einem geselligen Nachtessen, Medienschaffende und Politbeobachter werden auch eingeladen.

Der IC rattert langsam über die Weichen des Bahnhofs Bern, die Parlis, bunt gemischt, stehen im Gang und warten, bis der Zug hält. Da erhebt GLP-Nationalrat Beat Flach (GLP, AG) die Stimme:

„Bei uns gab es Rindsfilet zum Znacht. Was haben sie euch aufgetischt?“

Ein Ratskollege, mehrfach gescheiterter Bundesratskandidat, von Geburt weg welscher und inzwischen auch etwas schwerer Zunge antwortet:

„Wir aben nur Würste.“ (Ein Vollverb liefert er nicht.)

Einer reagiert fix, halblaut, aber doch für viele noch hörbar:

„Sprach er eben über die Leute in seiner Fraktion?“

Schallendes Gelächter.

 

From Copenhagen to Berlin by bike – 19 pictures

Whenever I enter the basement my lovely yellow bicycle looks at me with puppy eyes and says: “Hey partner, I wanna go for a ride again, pleeeeaaase!”

The truth is: my tour bike has not been moved ever since I came home from the North Cape last September. So it’s high time to hop on the saddle again. I’ve chosen Copenhagen-Berlin, a route which is very popular in summer and flat like a pancake – perfect for the opening of the season. Denmark in May is absolutely marvellous and I guess this applies to Northern Germany, too. I can’t wait to “fly” across the mild spring inhalling the air filled with blossoming flowers and trees. It’s about the flow.

> That’s what I wrote ath the end of April 2017.

Now I’m on the road. “A flash light”:

Three – two – one – blossoming! In the countryside it smells so intensely that I was flashed after inhaling for a half an hour. The sunrays hit the bright yellow fields of rape while the larks never get tired singing their melodies – welcome to Danish spring. It’s magic. If it’s mild and sunny.

Two nights ago, the temperature dropped below zero. Next morning, while sitting on the saddle my butt felt rather frosty. The weather has changed dramatically: now it’s ice cold, the wind is blowing often quite heavily, and the rain falls mostly horizontally which means: Straight. Into. My. Face.

It was a rough day but after six hours I stopped at a cozy little hotel, meanwhile in Northern Germany, with an extremely friendly staff. I’m their only guest and they fixed me a lavish dinner. So in fact I have no reason to complain.

> Another jump forward:

Today, I arrived safely in Berlin. Three half days warming up (along the Roskilde Fjord) followed by the seven day tour were awesome in many ways. I’ll do it again. Soon.

#CopenhagenBerlin2017

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Die Partner-Anzeige: analog und anonym

Seit Oktober letzten Jahres ist meine Firma in der Berner Matte zu finden – ein Übergangsstandort. Für Nicht-Ortskundige: Die Matte ist das Quartier, das früher bei Hochwasser oft dramatische Bilder hergab. Zum letzten Mal im Sommer 2005, als die wütenden Fluten sogar Autos aareabwärts rissen.

Der Dreh- und Angelpunkt des Quartiers ist das „Matte“-Lädeli. Es wird rege frequentiert, Anwohnerinnen und Pendler besorgen hier ihre kleinen Einkäufe. Ich halte es seit Beginn auch so, mal ist es ein Laib Brot, mal Käse – und wenn der Zuckerspiegel zusammenfällt, tue ich das einzig richtige: Ich kaufe Schoggi. Subito.

Gestern entdeckte ich beim Eingang des Lädelis eine weisse Karte, die an der Wand klebt: „Frau sucht Mann.“ Und darunter steht „1.81 / 51“. Die Typografie ist zeitlos schön.

Eine analoge Anzeige im Zeitalter von Online-Dating à la Tinder – das ist unendlich romantisch. Und typisch für die Matte. Eine Möglichkeit, mit der Frau, 1.81 / 51, in Kontakt zu treten, gibt es übrigens nicht. Oder nicht mehr. Der untere Teil Karte wurde abgerissen. Hoffentlich vom Richtigen.

Womöglich löst die „Brunne-Zytig“, so heisst das gedruckte Organ der unteren Altstadt, in der nächsten Ausgabe diese Geschichte auf: der Anfang einer Liebesgeschichte, wie sie noch kein Romancier je hingebracht hat. Hach, nur schon beim Gedanken daran, komme ich ins Schwelgen. Vielleicht… vielleicht sollte ich den Roman gleich selber schreiben.

Das Rampenlicht der Medien und die Rolle als Experte

Das jüngste Gastspiel in der Talkshow “Schawinski” nehme ich zum Anlass, um meine Präsenz in den Medien zu thematisieren. Wieso? In den letzten Monaten wurde ich oft auf diese Rolle angesprochen. Ich will nun auch auf meinem privaten Blog klären, was es damit auf sich hat.

Seit ich Bücher über politische Kommunikation schreibe und ein Blog betreibe, erhalte ich Medienanfragen. Das begann im Herbst 2006, anfänglich ganz sanft, inzwischen sind es 300 bis 400 Anfragen pro Jahr. Mehr als die Hälfte davon kann ich aus zeitlichen Gründen nicht annehmen. Priorität hat immer die richtige Büez. Wenn ich es aber einrichten kann, gebe ich gerne Auskunft. Das geht oft nur, wenn ich meinen Tag kurzfristig umstelle und Nachtarbeit leiste. Wenn ich von einem Thema wenig weiss, lehne ich ab und verweise an die Bochslers, Bühlmanns oder Golders.

Drei Prinzipien halte ich hoch:

1.  Fairplay. Ich habe den Anspruch, dass meine Einschätzungen nicht parteiisch sind. Das ist mir nicht ganz immer gelungen.

2.  Unabhängigkeit. Ich trage nie gleichzeitig zwei verschiedene Hüte. Wenn meine Kommunikationsagentur involviert ist, mache ich gegenüber Medien keine Einschätzungen, basta. In den letzten zehn Jahren ist es zu keinem einzigen Interessenkonflikt gekommen.

3.  Verständlichkeit. Normale Menschen können mit dem Politologen-Kauderwelsch nichts anfangen. Politik muss einfach vermittelt werden, also fungiere ich als Übersetzer. 51 Prozent der Jugendlichen finden Politik kompliziert (Quelle: easyvote) Wenn wir es nicht schaffen, sie im Alter zwischen 15 und 18 Jahren abzuholen und anzufixen, bleiben sie ein Leben lang apolitisch. Das Risiko: Sie werden anfällig für Populismus von rechts oder von links. (Politische Bildung finden alle Player stets wahnsinnig wichtig. Wird es aber konkret mit ihrer Förderung, dann, ja dann kommt das Motörchen schon ins Stottern.)

Medienauftritte und -auskünfte werden normalerweise nicht bezahlt, es gibt auch keine Reisespesen. Die Ausnahmen: Bei „Giacobbo/Müller“ erhielt ich 200 Franken bar auf die Hand. Danke, Billag-Gemeinde! Dafür habe ich aber auch geschwitzt, gopelletti! Wenn ich an Wahltagen bei privaten TV-Sendern Instant-Analysen liefere, gibt es ein bescheidenes Honorar. Ich achte darauf, dass der Anteil der Expertli-Tätigkeit 10 Prozent meiner Arbeitszeit nicht übersteigt. Mehr wäre nicht verkraftbar.

Öffentliche Auftritte streicheln mein Ego, klar, und ich mag den Adrenalinkick. Aber ich brauche sie nicht für mein Wohlbefinden. Ich bilde mir auch nichts auf diese Expertenrolle ein – es ist ein Job. Natürlich, die Medienpräsenz machte mich zweifellos bekannter. Gewisse Türen haben sich deswegen geöffnet, andere sind ins Schloss geschnappt. Zweiteres ist menschlich, weil ich regelmässig Akteure im politischen Zirkus kritisiere. Apropos: Im Bundeshausperimeter beobachte ich Politiker, Journalisten und Berater mit einem (selbst-)ironischen Lächeln. Fast alle halten sich für enorm wichtig, der Testosteronspiegel ist hoch, Regula Stämpfli würde dieses Gockelgehabe womöglich als „Schnäbi-Wettbewerb“ bezeichnen.

Kein Understatement, sondern eine realistische Selbsteinschätzung: In der Gilde der Politbeobachter stehe ich in der dritten Reihe. Dort bin ich am richtigen Ort. Mir fehlen Ehrgeiz und Brillanz, um vorzurücken. Mir fehlt leider auch die Zeit, um wieder selber zu forschen.

Dass Medien-Politologen überhaupt eine beachtliche Präsenz erlangen konnten, liegt an den Medien selber. Seit Ende der Neunzigerjahre entpolitisieren sie sich schleichend, anstelle von abgeklärter Einordung werden lieber Konflikte abgebildet. Auf vielen Redaktionen fehlen heute Routiniers, die wissen wie der Hase in der Politik läuft. Die Medien-Politologen „übernahmen für die Journalisten das Denken“, kritisierte Christof Moser (Ex-„Schweiz am Sonntag“, neu bei „Project R“) einmal. Das Outsourcing von Einschätzung und Analyse verstärkt die Expertokratie.

Wer Medienpräsenz hat, erhält nicht nur Applaus, sondern muss auch jederzeit mit Diffamierungen auf Social Media oder per E-Mail rechnen; anonyme Briefe und Telefonanrufe gibt es auch. Unsere Zunft kriegt ihr Fett genauso ab wie jene der Politikerinnen und Politiker. Das kann geschäftsschädigend sein, Neid und Missgunst kommen hinzu.

Ich hoffe, dass diese Zeilen zur Klärung beitragen, danke.

 

P.S.  Die “Best-of”-Zusammenstellung der Interviews usw., die ich seite 2006 gegeben habe, sind im Medienspiegel meiner Kommunikationsagentur aufgeführt.

Service Public, No Billag und die SRG – eine Polemik

Mike Müller ist nicht nur ein Brocken von einem Mann, sondern vor allem auch ein ausgezeichneter Schauspieler. Das fiel mir zum ersten Mal im Sommer 2000 auf, als er in Wedekinds „Frühlings Erwachen“ auf Schloss Lenzburg mitwirkte. Derzeit läuft auf SRF 1 die fünfte Staffel des „Bestatters“. Müller spielt Luc Conrad grandios, auch seine Gspändli auf dem Set werden von Jahr zu Jahr besser. Dieser Krimi ist durch und durch schweizerisch – und er trifft ganz offensichtlich einen Nerv des breiten Publikums. Fast jede zehnte Person in unserem Land guckt ihn. “Der Bestatter”, liebe Leserinnen, ist Service Public.

Anfang Januar zeigte SRF einen Dokumentarfilm über Bernhard Russi, wie wir ihn zuvor nicht gekannt hatten: Ehrlich, sehr reflektiert, verletzlich – ein berührendes Porträt von Michael Bühler. 850’000 Menschen schauten diesen Film, der Marktanteil lag bei 49 Prozent.

Am letzten Donnerstag klebten in unserem Land Hundertausende von Leuten an den Bildschirmen und Handy-Displays. Der Halbfinal am Grand Slam Turnier im australischen Melbourne zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka war ein Strassenfeger. Ab 9.20 Uhr zeigte SRF2 diesen Match live – eine hochdramatische Partie. Auch das, liebe Leser, ist Service Public. Die SRG leistet ihn. Er kostet Geld. Gebühren. Billag. Und wir müssen einfach zahlen.

Bei einem Pay-TV-Kanal sind Spitzentennis, Fussball, Formel 1 usw. natürlich auch nicht gratis. Sky beispielsweise verlangt für das Grundpaket plus Sport zurzeit CHF 44.90 pro Monat, jährlich also rund CHF 530.00. Zum Vergleich: Die Billag-Gebühr der SRG-Sender beträgt derzeit 452 Franken, wird aber bald auf 400 Franken reduziert.

Auch „Der Bestatter“ und DOK-Filme kosten Geld. Viel Geld. Es sind unsere Gebühren, die in solche Eigenproduktionen fliessen. Die Rechte für grosse Sportereignisse wie das “Australian Open” muss die SRG für gutes Geld einkaufen. Sie werden regelmässig teurer, weil die Nachfrage gross ist.

Brauchen wir Luc Conrad, den Brocken, der Bösewichte überführt? Federer und Stan, die sich über Stunden ein hochspannendes Duell liefern? DOK-Filme, die Menschen von einer anderen Seite beleuchten? Brauchen wir „Eco“, die „Tagesschau“, „Puls“, „SRF bi de Lüt“, Champions-League-Spiele, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest?

Natürlich nicht. Wir brauchen, wenn wir diesen Gedanken weiterdrehen, eigentlich auch keine Bücher, keine Theaterstücke, keine Tanzperformances, keine Ausstellungen und keine Konzerte. In Zürich, Bern, Riehen-Basel und Luzern sollen Bulldozer auffahren, um Bernhard Theater, Dampfzentrale, Fondation Beyeler und KKL dem Erdboden gleichzumachen. Diese Institutionen kosten nur Geld. Viel Geld. Es ist unser Geld. Dabei zeigen die privaten TV-Stationen doch, wie es ohne Subventionen und Gebühren geht. Für „Der Bachelor“ und „Tschörmenis next Knackarsch“ müssen wir nichts bezahlen. Geilo!

2018 oder 2019 werden wir über die Volksinitiative „No Billag“ befinden. Nach einem Ja würde Artikel 93 der Bundesverfassung wie folgt ergänzt:

 

5   Der Bund oder durch ihn beauftragte Dritte dürfen keine Empfangsgebühren erheben.

 

Man darf es getrost zuspitzen: No Billag bedeutet No more SRG; sie wäre zerschlagen. Drei Viertel ihres Budgets bestehen aus Gebühren. Der TV-Markt spielt nicht in unserem Land. Er hat nie gespielt, was an der Kleinräumigkeit und den vier Sprachregionen liegt. Mit einem Rumpfbudget könnte vermutlich einzig die Sparte Radio überleben. (Von der Billag profitieren übrigens auch die allermeisten privaten Radio- und TV-Sender, dank dem Gebührensplittung erhalten sie jährlich insgesamt 80 Millionen Franken. Viele von ihnen könnten sonst nicht überleben.)

Klar, nicht alles, was die SRG-Sender produzieren, ist Service Public und längst nicht alles, was sie ausstrahlen, überzeugt. Entzöge man ihr die Mittel für Unterhaltung und grosse Kisten, bliebe das Publikum weg und die Informationssendungen fristeten nur noch ein Mauerblümchendasein. Ist es einmal soweit, würde die Legitimation erneut in Frage gestellt – ein Tod auf Raten.

Klar: die SRG muss sich bewegen. Es geht nicht um die Einschätzung, ob “Glanz & Gloria” lustiger Boulevard oder Volksverdummung ist. Das neue Führungsduo Jean-Michel Cina als Präsident und Gilles Marchand als Generaldirektor hat ab Frühling bzw. Sommer dieses Jahres einen Riesenjob vor sich. Lange, zu lange hat Roger de Weck die Stimmung nicht gespürt und kein Gespür für die Leute entwickelt.

Das SRG-Bashing ist schon seit Jahren en vogue, als Zielscheibe eignet sich der Generaldirektor offensichtlich, dieser schöngeistige Patrizier, der immer so gespreizt spricht. Einzelne Medien betreiben Konzernjournalismus – es geht ums nackte Überleben. Andere Akteure betreiben gezielt Desinformation, wie wir es schon vor der RTVG-Abstimmung im Frühling 2015 miterleben konnten. Das Echo in Social Media und Online-Kommentaren ist laut, unflätig, zum Teil sogar hasserfüllt. Lange bevor „The Donald“ in den USA ernsthaft daran dachte, in die Politik zu gehen, lärmten und marschierten bei uns schon die Mini-Trumps. Man möchte wieder ein Zeichen setzen, den „Staatsender“ schleifen, Roger de Weck eins auswischen.

Zum Vorwurf, die SRG betreibe „Staatssender“

Staatssender gibt es in totalitären Ländern, in denen nur eine politische Partei erlaubt ist. In der Schweiz sind seit 1959 immer mindestens vier Parteien in der Landesregierung vertreten, im eidgenössischen Parlament seit der Einführung des Proporzsystems 1919 sogar deutlich mehr.

Wie kritisch SRF-Journalisten mit dem Spitzenpersonal aus der Politik umgehen, zeigen drei exemplarische Beispiele: In der „Arena“ vom 27. Januar über die USR3 fühlte Moderator Jonas Projer Bundesrat Ueli Maurer hartnäckig auf den Zahn, am 31. Dezember letzten Jahres nahm Géraldine Eicher in der „Samstagsrundschau“ von Radio SRF Bundesrätin Doris Leuthard in den Schwitzkasten, am 16. November 2016 schliesslich stellte Sandro Brotz in der „Rundschau“ der Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr ein paar Fragen – so, wie wir es von ihm kennen.

Mit Verlaub, aber das mit dem „Staatssender“ ist bireweich.

Was in Diskussionen mit No-Billag-Freunden auf Facebook und Twitter auffällt: Viele von ihnen nölen oder diffamieren anonym. Mit der Tradition des Dialogs und des Respekts, die in unserem Land über Jahrhunderte gepflegt wurde, hat das nichts mehr zu tun.


Ergänzende Texte:

“Privat” wird ziemlich teuer (Robert Ruoff, 5. Juni 2015, Infosperber)
Die SRG in der digitalen Revolution (Rainer Stadler, 1. September 2016, NZZ)
Medienvielfalt ohne Zwangsgebühren (Olivier Kessler, Co-Präsident der Volksinitiative “No Billag”, Gastbeitrag vom 20. Oktober 2016, NZZ)
Den Schweizer Qualitätsmedien droht die Todesspirale (Karl Lüönd, Gastbeitrag vom 5. Februar 2017, NZZ am Sonntag)


Disclaimer:

Ich war früher einmal Redaktor bei Radio SRF, lange ists her, und die SRG eine faire Arbeitgeberin. Seit 2008 sitze ich im Publikumsrat der SRG, ein „Sounding Board“, das aus 26 Mitgliedern besteht. Wir beobachten über eine längere Zeitspanne systematisch Sendungen, schreiben Berichte darüber und treffen uns monatlich zu einem Austausch mit den Macherinnen und Machern. Ich investiere 18 bis 20 Arbeitstage pro Jahr dafür, dieses „Jöbli“ wirft zwischen 28 und 35 Franken pro Stunde ab, je nachdem wie schnell ich schreibe. Als Selbständiger leiste ich mir also ein teures Hobby. Und weshalb tue ich das? In diesem Gremium ist die Diskussions- und Streitkultur sehr gut entwickelt. Das gefällt mir, und es hat spannende Charaktere in diesem Gremium. Zudem: Kritik – von meiner Seite kommt sie regelmässig – ist so direkt deponiert.

Diese Zeilen basieren nicht auf einem Mandat oder einem Anruf im Stil von „Lieber Mark, könntest du nicht…“; als Claqueur bin ich nicht zu haben. Sie entstanden aus der Perspektive des besorgten Bürgers. Die digitale Disruption führt zu einem Zerfall der Medien. Qualitativ überzeugende Medien sind aber die Voraussetzung für eine stabile Demokratie.

 

Mordgedanken an einem Traumstrand

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Das Wasser schimmert in verschiedenen Blautönen, Wellen mit Schaumkrönchen rollen landwärts, die Palmen wiegen sich im sanften Wind. Röhrende Wasserjets, penetrante Souvenirverkäufer, testosterongetriebene „Spring Break“-Jungs und lästige Sandfliegen gibt es hier nicht. Nur etwas: Ruhe – meditative Ruhe. Willkommen am Traumstrand, irgendwo auf der Insel Palawan.

Keine 20 Touristen haben sich auf verschlungenen Pfaden bis zu dieser verwunschenen Ecke durchgeschlagen. Die Infrastruktur ist simpel: Sie besteht aus einem Beizli mit drei Tischchen, ein paar wackeligen Stühlen und einem halben Dutzend riesiger Kissen, in die man sich fläzen darf.

Ich löffle das einzige Gericht, das es gibt: eine Fischsuppe, dick, mit kleinen Gemüsestücken und vielen Kräutern versetzt. Bei jedem Bissen platzt ein Feuerwerk an Aromen auf der Zunge. Dazu trinke ich eiskaltes San Miguel Pilsen. Die Light-Version sei etwas für Memmen, erklärte mir das Oberhaupt der Familie, die hier wirtet. Also entschied ich mich für das echte Bier. „Do you need a glas?“ Ich schüttle den Kopf: „Real men drink beer from the bottle.“ Er grinst und unsere Hände klatschen zusammen – High Five.

Später lasse ich mich im Schatten nieder, sehr zufrieden mit meinem Leben, blinzle in die Sonne und beginne zu lesen. Doch plötzlich kommt Bewegung in die schläfrige Schar Gäste, die es sich hier gut gehen lässt. Vier junge Blondinen sind eingetroffen, schlank, braun gebrannt, durchtrainiert und voller Energie. Nein, es sind keine Rettungsschwimmerinnen aus Kalifornien und rote Einteiler tragen sie auch nicht. Wie sich herausstellt, kommen die Girls aus Finnland und, boy, wie sie surfen können! Unermüdlich zeigen sie ihre Kunststücke, was mein Ritual durcheinanderbringt: Lesen, dösen, lesen, dösen wird ergänzt. Subito.

Im Verlaufe des Nachmittags taucht ein Mann mit rot-blonden Haaren auf, Europäer oder Nordamerikaner, wohl zwischen 25 und 30 Jahre alt. Er packt umständlich seine Tasche aus, Minuten später beginnt es zu surren, eine Drohne steigt in die Luft. „What the hell!“, murmle ich. Der Rotblonde steuert den weissen Flugkörper dem Strand und lässt ihn über der kleinen Beiz und den Surferinnen kreisen. Stets ist das feine, aber unangenehme Surren zu hören. Auch andere Touristinnen und Touristen fühlen sich gestört, wir werfen uns vielsagende Blicke zu.

Neben mir liegt eine unreife Kokosnuss. Ich wiege sie in der Hand, sie hat eine gute Grösse, das Gewicht wäre ideal. Plötzlich blitzt ein Gedanke auf, der mich erschreckt: Mord. Der Vollzug wäre simpel: Ich pirsche mich von hinten an den Rotblonden heran und erschlage ihn mit der Kokosnuss – zack! Oder ich warte, bis die Drohne in Wurfdistanz ist – und dann: bumm! Man muss wissen: Präzisionswürfe waren lange vor der Rekrutenschule eine Befähigung von mir, ich treffe fast immer.

Zum Glück beginnt sich eine weitere Option zu entwickeln, und sie gewinnt die Oberhand. Ich rapple mich hoch, was erst beim dritten Versuch gelingt, atme einmal tief durch, stapfe durch den Sand zum Rotblonden und formuliere eine Ich-Botschaft, hoch anständig und in etwas gestelztem British English. Er blickt mich einen Augenblick wortlos an. Dann nickt er. Kurz darauf landet seine Drohne sanft im Sand, ich hole in der Beiz zwei San Miguel – Pilsen, what else.

 

 

Nachtrag vom 4. Januar:

Hinter den Kulissen hat mir eine Leserin geschrieben. Eine grüne Kokosnuss reiche nicht aus, um jemanden “zack” totzuschlagen, sie sei zu weich. Damit hat sie vermutlich recht, mir geht die Erfahrung in diesem Bereich noch ab. Was ich aber sicher weiss: Um eine Drohne vom Himmel zu holen hätte diese Nuss alleweil gereicht. Das nächste Mal werde ich den Beweis antreten.

Nachtrag vom 30. März 2017:

In der Schweiz besitzen inzwischen etwa 100’000 Personen eine Drohne. Was sie beim Fliegen beachten sollten und welche Konsequenzen rechtlich drohen, beleuchtet dieser Artikel in der NZZ.

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James kann nicht kochen – eine Weihnachtsgeschichte

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Kurz vor 23 Uhr checke ich ein. Das Hotel hat drei Sterne, neunzehn Stockwerke und eine unsympathische Rezeptionistin; es ist seelen- und geruchslos, ein Bunker. Aus dem zweiten Stock dröhnt übersteuerte Karaoke-Musik, die Stimmen treffen die Töne selten, aber egal: Ich bleibe ja nur eine Nacht, am nächsten Morgen geht die Reise weiter. Die Versuchung, mich auf Manila, diesen Moloch einer Stadt einzulassen, war auch während der Ferienvorbereitung nie erwacht.

Im Zimmer angelangt, stelle ich meinen Rucksack in eine Ecke, klatsche mir kaltes Wasser ins Gesicht, ziehe ein frisches T-Shirt an und schon bin ich wieder draussen. Die tropische Wärme empfängt mich. Überall blinken Lampen, Lämpchen und Reklamen, Motorräder, Taxis und Tuk-Tuks rollen vorbei, „diese Stadt schläft nie“, erzählte mir ein Kollege, der einmal hier gelebt hat.

Ich will nicht um die Häuser ziehen, sondern mir bloss noch etwas die Füsse vertreten. Schon nach ein paar Minuten entdecke ich die ersten Obdachlosen: Sie schlafen in den Eingängen der Läden, unter Bäumen, auf den Treppen einer Kirche – überall, wo sie ein wenig Schutz finden. Standard ist eine Unterlage aus Karton, einige haben zusätzlich eine verfilzte Decke zur Verfügung, Dritte wiederum liegen auf dem blossen Boden. Es sind Teenager, Greise und viele elternlose Kinder, die jüngsten dürften noch nicht einmal im schulpflichtigen Alter sein.

Als ich die Hotellobby betrete, löst sich gerade eine Hochzeitsgesellschaft auf, eine Hundertschaft gut gekleideter Leute macht sich auf den Weg nach Hause. „Nehmt doch Gesangsstunden!“, brummle ich vor mich hin und verschwinde in meinem heruntergekühlten Zimmer.

Zwei Tage später.

Die Güggel in der erweiterten Nachbarschaft geben alles, damit ich vor den ersten Sonnenstrahlen aufwache – Concerto Grosso. Ich bin inzwischen auf der Insel Palawan angekommen, eine Flugstunde westlich von Manila, und habe mich in einer gemütlichen Lodge einquartiert. Nach dem Frühstück – phoa, diese Fruchtsäfte! – schnüre ich meine Wanderschuhe und packe ich einen kleinen Rucksack, was ich für die nächsten Stunden brauche: eine grosse Flasche Wasser, das Sackmesser, den Fotoapparat (die gute alte Canon) und ein Buch, aber bewusst keine Landkarte und auch das mobile Sklavengrätli bleibt zurück. Ich will einfach mal drauflos. Das mache ich seit vielen Jahren immer mal wieder – ein Erfolgsrezept.

Zügigen Schrittes streife ich durch das grüne Dickicht, die Sonne dient als grobe Orientierung. Plötzlich stehe ich auf einer Lichtung, Hühner trippeln geschäftig herum, zwei Hunde liegen faul in der Sonne, im Hintergrund sind ein solides Holzhaus und zwei Bungalows zu erkennen. Vorne, unter einem einfachen runden Bambusdach, das von acht Pfählen getragen wird, nehme ich Bewegungen war. Aus der Nähe entpuppt sich die auf allen Seiten offene Hütte als Freiluftküche. Töpfe sind aufgereiht, Kellen hängen an einer Schnur, auf der Theke stehen mehrere Plastiksäcke mit Gemüse.

Zwei junge Leute schälen Gurken. Als sie mich entdecken, grüssen sie freundlich. „Do you want to try our cookies?“ Schon streckt mir die Frau einen Teller mit ihren Güetzi entgegen. Das Gebäck ist grünlich…, schmeckt vorzüglich, allerdings habe ich keine Ahnung, was ich mir in den Mund schiebe. So sind wir flugs in ein munteres Gespräch über Zutaten im Speziellen und das Leben im Allgemeinen verwickelt. Beide sind Frohnaturen und neugierig, ihr Englisch ist fliessend.

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Ziel des Tages
sei, dass James endlich kochen lerne, erklärt Mimi. Und so kommandiert sie Schritt für Schritt, was er zu tun hat, mal greift sie ein, mal tadelt sie kumpelhaft – die Kochsession wird zur Comedy und wir müssen oft lachen. Schliesslich hat sie doch das Meiste selber erledigt, und vor mir steht eine Mahlzeit, die lecker duftet: Reis, gegrillter Fisch, eine pikante Sauce und ein mit viel Liebe dekorierter Gurkensalat. Wir futtern zu dritt, das Zmittag schmeckt vorzüglich. (Okay, eine richtige Salatsause fehlte. Aber… das hätte ja mein Job sein können, stupid!)

Nun müssen Mimi und James für die Gäste, die die Bungalows gemietet haben, kochen. Ich schultere den Rucksack und frage die beiden, was ich ihnen schulde. „Nothing“, klingt es zurück. Ihre Stimme tönt bestimmt. „You were our guest.“

Ich klaube mein Schweizer Sackmesser aus dem Hosensack und lege es auf den Tresen. „Merry Christmas!“ Sie danken und winken, wie ich mich zum Gehen wende. Nach ein paar Metern drehe ich mich nochmals um: „One day, I’ll be back. Make sure you know how to cook then, James!“

Der junge Mann lacht über das ganze Gesicht und macht das „Daumen-hoch“-Zeichen. „Sure!“

Als es dem “Bund” an den Kragen ging – oder: Was ist uns Journalismus noch wert?

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Heute vor acht Jahren liess Pietro Supino, der Verwaltungsratspräsident der Tamedia, die Belegschaften von „Berner Zeitung“ und „Der Bund“ zusammentrommeln. Er informierte sie über Gewichtiges: Die beiden Tageszeitungen würden entweder fusioniert oder aber der „Bund“ mit vielen Inhalten des „Tages-Anzeigers“ beliefert. Es ging um den Abbau vieler Stellen auf beiden Redaktionen, aber auch in der Produktion und im Verlag, lies: eine Rosskur.

Diese Ankündigung schlug in Bern ein wie eine Bombe. Die Bundesstadt mit nur noch einer Kaufzeitung und womöglich ohne „Bund“ – unmöglich, das konnte und wollte sich niemand vorstellen! Zahllose Bernerinnen und Berner sind mit dem “Bund” aufgewachsen; er ist eine Institution. Der “Bund” gehört zu Bern wie die Aare, das Münster und der Zibelemärit.

Ich hatte schon am Vorabend Wind von Supinos angekündigtem Auftritt gekriegt und ging vom Worst Case aus: Fusion. Im Verlaufe des Montags führte ich Einzelgespräche mit drei Vertrauenspersonen, am Dienstag traf ich ein Mitglied der „Bund“-Redaktion, und am Mittwoch sagte ich schliesslich meine dreiwöchige Reise durch Mexiko, die in den nächsten Tagen begonnen hätte, ab.

Die Leserbriefspalten waren voll, der Unmut gross. „Bund“-Abonnentinnen und -Liebhaber fanden die Pläne des Zürcher Medienkonzerns unter jeder Kanone. Es ist nicht von der Hand zu weisen: Ohne gut gemachte Kaufzeitungen – online inklusive – verliert die Demokratie einen wichtigen Pfeiler. Gute Zeitungen kosten Geld, viel Geld. Aber: Qualität sollte man fördern, nicht opfern, sonst kommt irgendeinmal der Bumerang. Tamedia machte 2008 einen Reingewinn von 106 Millionen Franken, im Frühling 2009 entliess sie einen Viertel der “Tagi”-Belegschaft. 2015 erzielte Tamedia einen Gewinn von 334 Mio., in diesem Jahr kam es bei “24heures” und “Tribune de Genève” zu 20 Entlassungen. Ich verschliesse meine Augen nicht vor den Realitäten, und klar, wenn Werbeeinnahmen einbrechen und Abozahlen zurückgehen, muss ein Verlag reagieren. Die Frage ist, wie.

Doch zurück zur “Bund”-Rettung. Mir stand ein Zeitfenster von drei Wochen zur Verfügung, währenddem ich mich voll auf dieses neue Projekt konzentrieren konnte. Im Hintergrund baute ich das Komitee „Rettet den Bund“ auf. Prominente wie Kuno Lauener, Thomas Hürlimann, Simonetta Sommaruga und Benedikt Weibel traten dem Co-Präsidium bei. Herr Häck legte den Grundstein für eine Website, ich definierte die Strategie für die nächsten Wochen, schliff an Botschaften und las alles über Medienökonomie, was ich auftreiben konnte. Am 11. Dezember 2008, einen Tag nach den Bundesratswahlen, gingen wir an die Öffentlichkeit. Ein paar Stunden später lag der Server vorübergehend flach, er war von den zahllosen Besuchen überfordert, Hunderte von Leuten traten schon am ersten Tag dem Rettungskomitee bei.

Der Widerstand war gebündelt, die Wellen der Entrüstung rollten offline und online, Facebook galt damals noch als hip. Ich erinnere mich lebhaft an jene Phase: Täglich erhielten wir Dutzende von E-Mails, Telefonate und Briefe, bei meiner Agentur, wo die Fäden zusammenliefen, gingen die Leute ein und aus. Nie zuvor hatte ein Projekt von uns so viele Reaktionen – mehrheitlich positive, zum Teil auch kritische – ausgelöst. Das motivierte ungemein. Während wir das Komitee weiter ausbauten und Öffentlichkeit generierten, begann sich im Hintergrund die „Arbeitsgruppe Gutenberg“ – bestehend aus Simonetta Sommaruga, Werner Luginbühl, Alec von Graffenried, Christoph Stalder und mir – mit der Tamedia-Spitze zu treffen.

Sechs Monate und 1200 Stunden Fronarbeit später entschied Tamedia, an der Marke „Bund“ festzuhalten und diese Traditionszeitung weiterhin herauszugeben. Ob die schiere Existenz des Rettungskomitees die Entscheidung des Medienkonzerns beeinflussen konnte, wissen wir nicht. Aber wir haben es versucht – mit Lust und einem langen Atem.


Weshalb erwähne ich das?
Ganz einfach: Um Sie/dich für dieses Thema zu sensibilisieren. (Hach, ein strapaziertes Wort!) Die Medien sind in einem disruptiven Prozess, ihre beinharten Manager haben den Glauben an die gedruckte Zeitung verloren, Publizistik interessiert sie nicht. Es ist möglich, dass Tamedia im Grossraum Bern in absehbarer Zeit einen der beiden Titel einstellen will.

Die Fragen, die wir uns an langen Dezemberabenden stellen sollten:

– Darf die Hauptstadt einer der ältesten und stabilsten Demokratien mit nur einer Tageszeitung – ob auch gedruckt oder nur noch online, ist nicht relevant – bedient werden?

– Stehen wir bereit mit einer Alternative, wenn Tamedia den Stecker zieht? („Journal B“ kam nie zum Fliegen, die „Tageswoche“ in Basel wird von einer Stiftung alimentiert, Constantin Seibt & Co. lancieren hoffentlich bald ihr eigenes „Project R“.)

– Was ist uns Journalismus in Zeiten von Google, wegbrechenden Werbeeinnahmen, Gratis- und Fake-News überhaupt noch wert?

Die Diskussion ist eröffnet. Wer sich hier nicht exponieren mag, erreicht mich auch per DN, Mail und Telefon.

P.S.
Zwei der Kampagnensujets, die wir im Winter 2008/2009 verwendeten, konnte ich aus dem Archiv „usegrüble“.
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Giacobbo und der Gorilla

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Das Schönste an
der letzten „Giacobbo/Müller“-Sendung sind die zahllosen Rückmeldungen, die ich per Telefon, E-Mail und SMS erhalten habe – „Hellou soziale Anerkennung!” Zum Teil meldeten sich Leute, die ich vor 20 Jahren aus den Augen verloren hatte. Auch Dutzende von Unbekannten mailten mir ihre Feedbacks, die teilweise sehr präzis waren. Zum Beispiel D.K.:

„Ihre 10 Minuten bei Giacobbo/Müller habe ich als sehr erfrischend erlebt; klare Aussagen, etwas Humor und dazu noch mehr als nur ein Hauch Feminismus. Mein Eindruck wurde leider getrübt durch ihre Körpersprache (die Hände waren Klasse). Die gorillamässige Sitzhaltung wirkte wenig sympathisch. Das können Sie besser.“

D.K. hat Recht, non-verbal bot ich einen merkwürdigen Auftritt and I’m not fishing for compliments. Doch schauen Sie ihn sich selber an:

Giacobbo/Müller – Late Service Public: Talk vom 20. November 2016

Seit nunmehr 14 Jahren
mache ich Einzelpersonen fit für wichtige Auftritte, eine Mehrheit davon kommt übrigens nicht aus der Politik. Ich trainiere mit Ihnen, wie sie überzeugend argumentieren und Botschaften platzieren können. Bei Vorträgen, Interviews, Podien und Präsentationen vor der Geschäftsleitung. Als Talkgast bei der „Late-Night-Show“ von SRF war ich nun selber gefordert. Wie viele Tipps, die ich jeweils in unseren Trainings vermittle, konnte ich selber umsetzen?

Nun, ich bin nicht zufrieden mit meinem Auftritt. Wieso?

– Ich brachte nur in Teilen rüber, was ich im Kopf hatte, wichtige Punkte vergass ich komplett, und das darf nicht passieren.

– Die Schlagfertigkeit, sonst eine Stärke von mir, war wie weggeblasen. Es war nicht mein Ziel, lustig zu sein. Das funktioniert nie. Aber ein paar Pointen wollte ich schon landen.

– Dass ich nervös war, zeigte meine Körpersprache. Das ständige Vor- und Zurücklehnen – eben der “Gorilla” – hätte es nicht gebraucht. Während des ganzen Talks suchte ich meine Mitte.

Was mich noch lange ärgern wird: Die Beratung von Politikerinnen und Politikern ist seit 14 Jahren bloss ein Nischengeschäft meiner Agentur. Unsere Aufträge kommen hauptsächlich aus der Privatwirtschaft, zum Teil von der öffentlichen Hand sowie von Einzelpersonen, die keine politischen Ämter innehaben. Das hätte ich Viktor Giacobbo, Mike Müller und der „Late-Night“-Gemeinde in zwei Sätzen erklären sollen. Im Stress vergass ich es – Scheibenkleister, Plattform nicht genutzt.

In schöner Erinnerung ist mir der zweite Teil des Sonntags: Die ganze Crew geht jeweils nach der Show im „Kaufleuten“ essen, die Gäste dürfen mit. Das Znacht war lukullisch, die Runde in bester Laune. Ein feiner Abend, aber äbe: der Auftritt, goppeletti!

 

Nachtrag vom 12. Dezember 2016:

“Giacobbo/Müller” ist Geschichte, gestern wurde die letzte Sendung ausgestrahlt, Talkgast war Bundesrätin und Medienministerin Doris Leuthard – ein würdiger Abschluss. “Late Service Public” wurde in den letzten Jahren oft belächelt, Satire habe einen schweren Stand in der Schweiz, die Pointen seien flach. Diese Kritik ist nicht falsch, aber sie blendet aus, dass “Giacobbo/Müller” auch viele gute Momente hatte, bestens unterhielt und “eine Sendung wie die Schweiz war”, wie  “Tages-Anzeiger”-Redaktor Philipp Loser schreibt. Er würdigt die Sendung auf eine faire Art.

Das Toto zu den Berner Wahlen 2016

Kostenlos mitmachen, Bargeld gewinnen und zugleich eine soziale Institution unterstützen – das ist unser traditionelles Wahl-Toto.

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Bei den US-Präsidentschaftswahlen vor Wochenfrist holten sich die Demoskopen eine blutige Nase. Anstelle einer Prognose für die Stadtberner Wahlen vom 27. November gibt es dafür bloss ein Wahl-Toto. Die Ausgangslage ist so spannend wie schon lange nicht mehr, die Akteure kämpfen nervös um jede Stimme, und das kontrastiert mit dem üblichen “gäng wie gäng”. 

Meine Kommunikationsagentur Border Crossing AG ist bei diesen Wahlen nicht involviert. Dafür lancieren wir jetzt das inzwischen traditionelle Gratis-Toto, um den Wahlgang spielerisch anzustossen. Im Sinne einer vorgezogenen Weihnachtsaktion finanziert meine Firma den vollen Wetteinsatz von 10 Franken pro Totozettel.

Die Gesamtsumme geht zur Hälfte an den Sieger bzw. die Siegerin und die Gassenküche Bern. Früher spendeten wir die Erlöse des Totos an Médecins sans Frontières, das Buskers Bern und die Caritas.

Der Totozettel zum Herunterladen:

Wahltoto Stadt Bern – Wahlen 2016 (Word)

Eingabeschluss ist am Sonntag, 27. November 2016 um 12 Uhr. Dann schliessen auch die Wahlurnen.

 

Entscheidungshilfen bzw. Dossiers zu den Berner Wahlen 2016:

BZ Berner Zeitung
Der Bund
Regionaljournal Bern/Fribourg/Wallis von Radio SRF

 

Nachtrag vom 1. Dezember 2016

Insgesamt haben sich 112 Personen an unserem Wahltoto beteiligt. “Bund”-Redaktor Basil Weingartner hat es mit 1700 Punkten gewonnen, herzliche Gratulation. Seinen Gewinn von 560 Franken spendet Weingartner dem Förderverein Variant, der in der Region der bulgarischen Stadt Targoviste humanitäre und Jugendprojekte unterstützt. Die weiteren 560 Franken haben wir der Gassenküche Bern überwiesen.