«Ich lebe für diese Aufgabe»

Vorsicht: Das ist ein Posting in eigener Sache.

Der Grund: Als Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt bekämpfe ich seit mehr als vier Jahren die SRG-Halbierungsinitiative. Das nahm die Redaktion von «Bund»/BZ zum Anlass, mich zu porträtieren.

Das bringt ich dazu, ein Schlaglicht auf vier prägende Kapitel meines Lebens zu werfen. Alle passen letztlich zu einem Titel: «Medien und Demokratie».

🔵 Unmittelbar nach dem Bürgerkrieg in Bosnien baute ich dort eine Radiostation auf. Eine Stiftung aus Österreich finanzierte die Startphase, ich war verantwortlich für Programm und Personal.

Journalistinnen und Journalisten der drei ethnischen Gruppen, die sich zuvor vier Jahre lang bekämpft hatten, formten ein Team. Das klappte – dank einer langen Aussprache in der zweiten Woche.

Der Friedensvertrag von Dayton war zwar unterzeichnet, praktisch alle Medien blieben aber abhängig von den ehemaligen Kriegsparteien.

➡️ Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe: Unabhängige Medien fallen nicht vom Himmel.

🔵 Als Ende 2008 die Tamedia-Konzernspitze die Traditionszeitung «Der Bund» mit der «Berner Zeitung» fusionieren wollte, schrie tout Bern auf. «Drrrr Bund» war eine Institution, eine gute Zeitung mit prägenden Köpfen, aber wirtschaftlich in Schieflage geraten. (Ich kriegte sie 1994 erstmals in meinen Händen – in Zürich.)

Ich orchestrierte den Widerstand gegen die Fusion – ein halbes Jahr und rund 1200 Stunden Fronarbeit später, die meine damals dreiköpfige Firma geleistet hatte, war sie vom Tisch. (Die Website «Rettet den Bund» ist noch heute im Netz.)

➡️ Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe: Hör auf dein Bauchgefühl – und tue, was du für richtig hältst.

🔵 Als 2017 ein paar junge Libertäre ihre Bieridee namens «No Billag» vors Volk brachten, wurde ich mandatiert, dagegenzuhalten. Der Abstimmungskampf war für uns im Komitee «Nein zum Sendeschluss» episch lang, sorgte aber zuweilen für einen Kick.

Am 6. März 2018 war das Verdikt klar: 71.6 Prozent der Stimmberechtigten sagten Nein, die jüngste Altersgruppe – diejenige, die angeblich nie SRG konsumiert –, erreichte sogar 75 Prozent.

An jenem Abend liess ich mir ein Schaumbad ein, war mir aber schon damals bewusst: Der nächste Angriff kommt bestimmt.

Und er kam.

🔵 Am 8. März 2026 kommt die Halbierungsinitiative zur Abstimmung. Faktisch handelt es sich um die perfide Schwester von «No Billag», aber das haben viele Menschen bis heute nicht durchschaut.

Seit mehr als vier Jahren treibt mich diese Halbierungsinitiative um – und zuweilen raubt sie mir den Schlaf.

➡️ Was ich aus «No Billag» und dem Kampf gegen die SRG-Halbierungsinitiative mitnehme: Wenn es drauf ankommt, steht die Zivilgesellschaft auf. Es ist beeindruckend, was sie in den letzten Monaten getan hat.

Das Porträt gibt es hier als PDF zum Herunterladen:
Der Frontmann gegen die Halbierungsinitiative («Bund», 23. Februar 2026, PDF)

🔗 Die Links zu diesem Artikel auf den beiden Online-Portalen:
Beim «Bund»
Bei der «Berner Zeitung»

Mein Dank geht an Brigitte Walser für den kritischen, aber fairen Artikel und an Franziska Rothenbühler für die Fotos.

Mumpitz von Matter


Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter ist der geistige Vater der SRG-Halbierungsinitiative. Im Interview mit Tamedia platziert er eine ganze Reihe faktenwidrige Aussagen.

Das bedarf einer Richtigstellung:

Matter sagt: «Junge konsumieren praktisch keine SRG-Formate.»
✅ Richtig ist: 53 Prozent der Jungen zwischen 15 und 34 konsumieren SRG-Inhalte. Pro-Tipp: Sie tun es vor allem auf Instagram und Youtube.
(Quelle: Studie IGEM-Digimonitor 2023)

Matter sagt: «Der Initiativtext verbietet der SRG nicht generell Onlineaktivitäten.»
✅ Richtig ist: Der Initiativtext hält fest, dass die Abgabe der «Finanzierung von Radio- und Fernsehprogrammen» dient. Das bedeutet: Bei einem Ja dürfte die SRG keinen Online-Journalismus mehr betreiben.
(Quelle: Website srg-initiative.ch)

Der Bundesrat hat auf dem Verordnungsweg beschlossen, dass das SRG-Budget bis 2029 massiv sinkt. Die SRG-Spitze rechnet mit 270 Millionen Franken weniger.
Matter sagt, dass aufgrund der Zuwanderung und dem Zuwachs von 40’000 Haushalten pro Jahr die SRG «nicht viel sparen» müsse.
✅ Richtig ist: Der Gebührenanteil der SRG ist per 2029 auf eine Summe fixiert, egal wie sich die Zahl der Haushalte entwickelt.
(Quelle: Botschaft des Bundesrats zur SRG-Halbierungsinitiative)

Matter sagt: «Ich höre von der SRG Drohungen, dass Regionalbüros geschlossen würden.»
✅ Richtig ist: Diese Aussage machte auch Medienminister Albert Rösti, Matters Parteikollege. Er sagte, dass bei einem Ja zur Halbierungsinitiative «wohl nur noch ein Produktionsstandort übrigbleibt: Zürich.»
(Quelle: Medienkonferenz Bundesrat Rösti, 21. Januar 2026, auf dem Youtube-Kanal des Bundesrats abrufbar)

Matter sagt: «Die SRG-Direktorin verdient mehr als ein Bundesrat.»
✅ Richtig ist: Isoliert betrachtet beträgt die Lohndifferenz zwischen Susanne Wille und den Bundesratsmitgliedern 2 Prozent. Aber Bundesrätinnen und Bundesräte erhalten nach ihrem Rücktritt ein Ruhegehalt von rund 50 Prozent des früheren Lohnes. Bei Wille ist das nicht der Fall. Der Vergleich hinkt.

Zum Vergleich: Die CEO von SBB und Post verdienten 2024 rund 50 Prozent mehr als die Person an der Spitze der SRG, die CEO der Stromkonzerne Axpo und BKW sogar dreimal so viel wie sie (inkl. Boni). Die Stromkonzerne gehören übrigens den Kantonen, also uns.
(Quellen: Website admin.ch, Geschäftsberichte der erwähnten Unternehmen)

Fazit: Matter liefert viel Mumpitz, pardon l’expression. Das strapazierte Wort «Fake News» wollte ich nicht schon wieder bemühen. Das Interview wird keinen Medienpreis ergattern.

Disclaimer:
Ich bin seit 2008 Dozent an einer Journalistenschule und seit 2022 Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt, die sich gegen die SRG-Halbierungsinitiative stellt. Zu Ihr gehören inzwischen 6500 Einzelpersonen und 35 Organisationen.

📸 Yoshiko Kusano